Puh…was’n Stress!

Stress mich nicht
Hast du Stress? Vermutlich schon…hat ja heute irgendwie jeder, oder?

Woher kommt der Stress?

Vielleicht ist das einfach so eine geschichtliche Sache, dass unsere Vorfahren (teilweise sogar noch unsere Eltern) die entsetzliche Armut des Krieges kannten und durch die aufkommenden Möglichkeiten in einer relativ langen Friedenszeit eine Art Euphorie ausbrach: Alles wurde optimiert, perfektioniert  – es ging immer mehr, immer schneller, immer höher, immer weiter…

Wir sind nun in einer extrem schnelllebigen Zeit angekommen. Veränderungen geschehen in rasantem Tempo. Was gestern noch neu war, ist heute schon Standard und morgen ein „alter Hut“. Daran haben wir uns schon gewöhnt, uns angepasst und wehe etwas funktioniert mal nicht so schnell wie gewohnt! Außerdem leben wir in einer Leistungsgesellschaft, in der Einkommen und Status durch die individuelle Leistung bestimmt werden. Wer erfolgreich sein möchte, muss also nur genug leisten. Wer keinen Erfolg hat, hat sich halt nicht genug angestrengt oder ist schlichtweg *Achtung Schimpfwort* faul!

Optimierung und Effizienz sind Zauberworte, die helfen sollen sowohl Schnelligkeit als auch Leistung unter einen Hut zu bekommen. Ohne Rücksicht auf Verluste werden also Erde, Tiere und Menschen immer weiter ausgebeutet und viele von uns schrecken nicht einmal davor zurück, sich zudem auch noch selbst auszubeuten. Leistung um jeden Preis…

Überzogene Anforderungen

Die Medien, ganz besonders Filme und soziale Netzwerke, gaukeln uns vor, dass wir die verschiedensten Anforderungen erfüllen können und müssen, um ein glückliches und erfolgreiches Leben zu führen. Diese sind natürlich total überzogen, hier mal eine kleine Auflistung:

  • Zunächst einmal muss ich eine steile Karriere in einen Job machen, für den ich mich mit herausragenden Noten in Schule und Ausbildung / Studium qualifiziert habe, dass Überstunden dazu gehören ist selbstredend
  • Ich habe eine perfekte Beziehung mit einem wunderschönen und sehr gebildeten Menschen, dort herrschen Harmonie und Glückseligkeit
  • Meine Kinder und/oder Haustiere werden immer gut versorgt und trotz extremer Intelligenz hervorragend weiter gefördert
  • Besuche bei den Eltern und Großeltern gehören zum Pflichtprogramm, Familie ist wichtig!
  • Ich treffe mich regelmäßig mit Leuten aus meinem großen Freundeskreis, wir unternehmen die abgefahrensten Dinge
  • Ganz nebenbei bin ich selbstverständlich immer gepflegt und super gestyled
  • Mein Körper gleicht dem eines Fitnessmodels
  • Ich habe wahnsinnig interessante und ausgefallene Hobbies
  • Außerdem reise ich viel und habe die halbe Welt bereits gesehen
  • Mein Haushalt muss jederzeit glänzen
  • Ah, und das hübsche Häuschen mit englischem Rasen und den schicken (stets gewaschenen und polierten) Wagen vor der Türe dürfen wir natürlich nicht vergessen!

Nicht alle davon betreffen jeden, doch in ein paar dieser Anforderungen wird sich bestimmt jeder wiedererkennen.

Schaffst du es, all diese Anforderungen zu erfüllen?  Ich glaube, das ist schlichtweg nicht machbar. Der Tag hat 24 Stunden. Ziehe ich davon 8 Stunden Schlaf und 10 Stunden Arbeit ab, bleiben 6 Stunden für Partner, Kinder, Haustiere, Freunde, Hausarbeit, Einkaufen, Gartenarbeit, Styling und Sport. Selbst wenn ich mal so überhaupt keine Ruhezeit für mich einplane, bleibt da doch irgendwas auf der Strecke. Und das obwohl ich permanent durcharbeite und im Stress bin.

Was ist Stress?

Christina Aichinger definiert Stress in „Arbeitszeit und Subjektive Gesundheitsaspekte“ folgendermaßen

Stress ist definiert als ein Spannungszustand, der durch die Befürchtung entsteht, dass eine stark aversive, zeitlich nahe oder bereits eingetretene subjektiv lang andauernde Situation als nicht vollständig kontrollierbar erlebt wird, deren Vermeidung aber subjektiv wichtig erscheint.

Ähnlich definiert Klaus Jürgen Becker in „Erfolg ohne Stress“

Stress ist ein biochemischer Vorgang der nur im Kopf stattfindet, wird hervorgerufen durch die Angst etwas nicht schaffen zu können. Stress wird nicht von jemand anderen hervorgerufen sondern immer nur von der gestressten Person selbst.

Unser Alltags-Stress ist also eigentlich nichts anderes als das subjektive Empfinden, den gestellten Anforderungen nicht mit den verfügbaren Ressourcen gerecht werden zu können. Man hat Angst nicht alles zu schaffen.

Wie reagiert der Körper?

Stress entsteht im Kopf, doch der Körper reagiert darauf und „denkt“ einer gefährlichen Situation ausgesetzt zu sein. Es werden alle notwendigen Kräfte für Kampf oder Flucht aktiviert und der Körper in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Dabei laufen messbare Prozesse im Körper ab: die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet. Herzschlag, Puls und Atemfrequenz werden beschleunigt, um den Körper mit mehr Sauerstoff zu versorgen. Zusätzlich sorgen sie dafür, dass die Sinne geschärft und die Schmerzempfindlichkeit reduziert werden. Die Leber setzt Zucker frei, sodass Hirn und Muskeln mehr Energie zur Verfügung steht. Man fängt an zu schwitzen, sodass der Körper vor Überhitzung geschützt ist und die Blutgerinnungsfaktoren erhöhen sich, um im Fall einer Verletzung nicht zu verbluten. Alle nicht benötigten Funktionen werden heruntergefahren, so beispielsweise die Verdauung oder der Sexualtrieb.

Kurzzeitig macht das auch heute noch Sinn, obwohl wir im Normalfall weder kämpfen noch flüchten müssen. So zum Beispiel, wenn man im Straßenverkehr in einer brenzligen Situation schnell reagieren muss. Im Normalfall reguliert der Körper nach der Gefahrensituation oder aber einer kurzen Stressphase alles wieder auf die normalen Werte zurück.  Hat man aber über einen längeren Zeitraum oder gar dauerhaft Stress, ist die permanente Alarmbereitschaft schädlich und macht krank. Der Regulierungsmechanismus stupft ab und da niemand dauerhaft 150% seiner Leistung bringen kann, können diverse Erkrankungen folgen. Beispiele hierfür sind Bluthochdruck und erhöhter Blutzuckerspiegel/Insulinbelastung (fördert die Verfettung), schnelleres Altern von Immunsystem und Haut, verringerte Bildung von Geschlechtshormonen oder Abbau von Knochen- und Muskelmasse.

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Foto & Bearbeitung: Trash-Art by Dionisio Martena


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5 thoughts on “Puh…was’n Stress!

  1. Hallo Sabrina,

    ich selbst falle leider immer wieder in diese alten Muster und stelle ziemlich hohe Erwartungen an mich selbst. Es ist allerdings höchst interessant zu erfahren, wie der eigene Körper auf solche Situationen reagiert. Ich sollte mir also definitiv eines meiner Lieblings-Zitate mehr zu Herzen nehmen.
    „Wenn du Stress hast, lass dir Zeit.“ – aus China

    Lg
    Manu

    • Hallo Manu,

      das verstehe ich sehr gut und ich kämpfe auch immer wieder damit. Inzwischen habe ich aber gelernt, auf meinen Körper zu hören und da der recht viel mit mir „spricht“ werde ich relativ schnell darauf aufmerksam gemacht, wenn ich wieder in alte Muster gefallen bin (spätestens wenn der Rücken/Nacken ziept 😉 ).

      Vielen Dank für das schöne Zitat! Da steckt echt viel Weisheit drin 🙂

      LG,
      Sabrina

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