Sperrst auch du deine Füße zu oft ein?

Barfuß Füße

Die Geschichte der Füße

In dem Post „Willkommen im Experiment“ haben wir festgestellt, dass die Entwicklung des aufrechten Ganges einen ganz entscheidenden Schritt in der Evolution des modernen Menschen darstellte. Ab diesem Zeitpunkt hatte der Mensch die Möglichkeit mit den Händen zu arbeiten, da sie nun nicht mehr zur Fortbewegung benötigt wurden. Gleichzeitig war aber auch eine Weiterentwicklung der menschlichen Füße notwendig, denn der aufrechte Gang stellte ganz neue Ansprüche an sie:

  • Das gesamte Körpergewicht liegt nicht mehr auf vier, sondern eben auf zwei Füßen.
  • Der Körperschwerpunkt verlagert sich und es ist schwieriger das Gleichgewicht zu halten.

Man kann also sagen, dass unsere Füße evolutionstechnisch noch gar nicht so alt sind. Besonders gut sieht man den Unterschied auch bei einem Vergleich der menschlichen Füße mit denen der Schimpansen. Ihre Fußgewölbe („Stoßdämpfer“) sind viel flacher als unsere. Sie laufen aber auch sehr viel seltener auf zwei Beinen und benötigen daher auch weniger Dämpfung unter den Füßen.

Außerdem stellen unsere Füße ein wichtiges Sinnesorgan dar. Warum? Sie sind beim aufrechten Gang der einzige Kontakt zum Boden. Daher nehmen sie Informationen über seine Beschaffenheit, aber auch über unsere Bewegung und Geschwindigkeit auf. Diese Informationen – zusammen mit denen der Augen, des Gleichgewichtsorganes und der Muskeln – ermöglichen es uns überhaupt erst, auf zwei Beinen durch die Weltgeschichte zu marschieren.

Alles in allem sind unsere Füße also extrem wichtige Körperteile! …auch, wenn uns das vielleicht nicht immer bewusst ist und die Allgemeinheit sie meist kaum zu schätzen weiß.

Schuhe sind ein Problem

Leider neigt der Mensch zur Bequemlichkeit und so wurden im Laufe der Zeit Schuhe erfunden. Das Tragen von Schuhen lässt uns den Boden weniger spüren, sodass das Laufen angenehmer ist. Man spürt eben nicht mehr jedes noch so kleine Steinchen. Aber warum ist das ein Problem? In der Natur gilt „Was nicht wächst, stirbt“. Das hat gewiss jeder schon einmal kennengelernt. Wer sein Köpfchen nicht regelmäßig trainiert tut sich mit dem Lernen schwer. Wer seinen Körper nicht trainiert, bemerkt früher oder später, dass seine Muskulatur abbaut. Beispiele gibt es viele und euch fällt bestimmt noch das ein oder andere dazu ein 🙂

Und so kommen unsere Füße aus dem Training, wenn wir sie ständig in „bequeme“ Schuhe packen. Die vielen kleinen und großen Fußmuskeln, wie auch die Sehnen und Bänder bilden sich ohne Training zurück und das kann zu Fehlstellungen führen. Laut Martin Engelhard (Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie am Klinikum Osnabrück) hat die Mehrheit unserer Bevölkerung Fußdeformationen, also Knick-, Senk- oder Spreizfüße. Ist das nicht bedenklich? Naja, verwunderlich ist es jedenfalls nicht, wenn man bedenkt, dass es für uns „das Natürlichste der Welt“ ist, permanent Schuhe zu tragen.

Doch gerade beim Schuhkauf werden oft gravierende Fehler gemacht. Die Füße werden in zu enges oder schlecht sitzendes Schuhwerk gepackt, in dem sie oft kaum Luft bekommen. Das Ergebnis:  Schweißfüße, Fußpilz, eingewachsene Zehennägel, Hornhaut und Hühneraugen. Viel schlimmer aber sind Überlastung und Fehlhaltungen. Diese können die Knochen im Laufe der Jahre verformen und so zu Hammerzehen oder Hallux Valgus (Schiefstand der großen Zehe) führen.

Die Lösung: Öfter mal Barfuß laufen!

Wir können unserem Körper einen Gefallen tun, indem wir einfach mal unsere Schuhe weglassen und barfuß laufen. Zuhause ist das fast immer umsetzbar (ich bin selbst im Winter oft barfuß oder maximal mit Socken in der Wohnung unterwegs), aber besonders im Sommer bietet es sich an, auch draußen barfuß zu laufen. Und das hat so viele Vorteile! Wer das nicht mag, für den habe ich einen Tip: Es gibt mittlerweile ganz wunderbare „Barfuß-Schuhe“, die die Füße nicht einschränken 😉

Aber Achtung: Bei Diabetes und Polyneuropathie, wie auch bei Arthrose sollte vor einem „Barfuß-Experiment“ zunächst mit einem Arzt gesprochen werden, um keine Verletzungen zu riskieren! 

Was bringt es ab und an barfuß zu laufen?

Die Muskulatur, Sehnen und Bänder werden gestärkt

Ohne die Unterstützung des Fußgewölbes durch einen Schuh ist der Fuß gezwungen sich selbst zu halten, wodurch die Muskulatur entsprechend trainiert wird. Da die Fußmuskeln das Längs- und Quergewölbe des Fußes tragen, können so Fehlstellungen wie Platt-, Senk- und Spreizfüße oder Hallux Valgus vorgebeugt bzw. verringert werden.

Wir werden für unsere Lauftechnik sensibilisiert und schonen unsere Gelenke

Wenn wir barfuß gehen, setzen wir die Füße behutsamer auf. Fast automatisch werden Fersenläufer zu Mittelfußläufern – der Fuß wird nicht mehr mit der Ferse aufgesetzt und die Belastung auf den Vorder-/Mittelfuß verlagert. Probiert es einfach mal aus und schaut, wie sich der Gang verändert 😉

Dadurch werden die Kräfte, die auf die Fuß-, Knie- und Hüftgelenke wirken, reduziert. In einer amerikanischen Studie wurde festgestellt, dass bei dem Tragen von Laufschuhen die Belastung auf die Kniegelenke um 37% und auf die Hüftgelenke sogar um 54% höher ist als beim Barfußlaufen.

Die Haltung wird verbessert

Viele Probleme von Knien, Hüfte oder auch Rücken haben ihre Ursache bei unseren Füßen – ähnlich wie bei einem Haus mit instabilem Fundament. Das kann jeder bei sich selbst ganz einfach nachvollziehen:

Stell dich einfach hin und schau auf deine Knie. Wenn du jetzt das Gewicht erst auf die Fußinnenseite und dann auf die Außenseite verlagerst, wirst du feststellen, dass sich deine Knie mit bewegen. Diese Bewegung geht wie eine Kettenreaktion hoch bis in die Halswirbelsäule. Stehen die Füße korrekt, ist der komplette Aufbau nach oben ebenso korrekt ausgerichtet. Eine dauerhaften Fehlstellung der Füße führt im Gegenzug also auch zu einer dauerhaften Fehlhaltung nach oben hin, die entsprechende Probleme verursachen kann.

Der Tastsinn der Füße wird trainiert

Ohne eine dicke Sohle unter den Füßen spüren wir den Boden viel intensiver. Unebenheiten, Steinchen, Gras und ähnliches können mit den Füßen ertastet werden und auch hier gilt: Training stärkt und so lernen die Füße wieder viel mehr zu spüren. Wir nehmen unser Umfeld (insbesondere den Boden) achtsamer wahr und dieses bewusste Wahrnehmen kann ähnlich wie autogenes Training zur Reduktion von Stress beitragen.

Die Füße werden unempfindlicher

Durch die vermehrten Reize der Fußsohlen wird die Fettschicht unter der Epidermis dicker, sodass man Unebenheiten (z.B. Steinchen) zwar wahrnimmt, sie aber keinen Schmerz mehr verursachen. Keine Angst vor Hornhaut, denn diese entsteht durch Reibung und Feuchtigkeit – was beim Barfußlaufen höchst selten vorkommen sollte.

Das Immunsystem wird gestärkt

Durch die Unebenheiten des Bodens werden unsere Fußreflexzonen massiert und damit der gesamte Organismus angeregt, sowie der Blutdruck reguliert. Die stärkere Durchblutung der Füße und die Tatsache, dass sie vermehrt der frischen Luft ausgesetzt sind, schützt auch ganz nebenbei vor Pilzbefall. Man muss auch keine Angst vor Erkältungen haben, wenn man mal durch feuchte Wiesen geht…solange man in Bewegung ist, darf man ruhig ein wenig an den Füßen frieren. Wie schon Kneipp wusste: “Kältereiz ist Lebensreiz” und nicht umsonst ist seine Kneippkur zur Stärkung des Immunsystems so anerkannt 😉

Und zu guter Letzt:

Wer barfuß läuft, dem kann man nichts in die Schuhe schieben! 😛

 


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Anregungen, Verbesserungsvorschläge und liebe Worte sind übrigens immer herzlich willkommen!



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4 thoughts on “Sperrst auch du deine Füße zu oft ein?

  1. Carmen says:

    Dem stimme ich voll und ganz zu. Laufe auch immer mehr Barfuss und zum wandern habe ich mir Wanderschuhe von vivobarefoot gekauft und laufe mit denen auch längere Gebirgswanderungen, ist ein ganz anderes Erlebnis.

    • Liebe Carmen,

      barfuß wandern klingt prima und ist ganz bestimmt ein tolles Erlebnis! Das steht bei mir noch auf der Liste 😀 Aber immerhin die Gassirunde mit ca. 5km laufe ich regelmäßig mit Barfußschuhen 🙂

      Vivobarefoot habe ich bisher noch nicht ausprobiert (werde ich aber mal testen) 😉
      Ich komme mit Vibrams sehr gut zurecht und habe seit ein paar Jahren „Ballerinas“ und seit diesem Wochenende sogar ein paar süße „Sandalen“ zum barfußlaufen 🙂

  2. Elga says:

    Zu diesem Thema möchte ich auch etwas sagen. Letztes Jahr hatte ich starke Schmerzen in den Füßen 😩😩 und bin zum Orthopäden gegangen. Der verschrieb mir gleich zwei paar Einlagen die ich immer tragen sollte. Gottseidank hatte ich in dieser Zeit mit meiner Freundin in der Schweiz gesprochen. Sie ist Physiotherapeutin und hat mir empfohlen auf keinen Fall die Einlagen zu tragen. Ich sollte Übungen mit den Füßen machen und mir dazu das Buch – Gut zu Fuß ein Leben lang von Christian Larsson – besorgen. Ich hatte dann verschiedene Übungen aus dem Buch über Wochen gemacht und siehe da, meinen Füßen ging es nach und nach besser. Ich bin viel barfuß unterwegs obwohl ich nie gerne barfuß gelaufen bin. Ich merke aber, dass es meinen Füßen gut tut und meine Schmerzen komplett weg sind. Außerdem hatte ich mir Barfußschuhe gekauft und ich kann euch nur sagen fantastisch! 😃👍 Wenn ich lange zu Fuß unterwegs bin oder lange stehen muss sind diese Schuhe Gold wert.

    • Liebe Elga,

      vielen lieben Dank für deinen Erfahrungsbericht! Es freut mich sehr, dass das Barfußlaufen bei dir so viel gebracht hat, dass du nun sogar schmerzfrei bist!!!
      Anfangs ist es wirklich etwas gewöhnungsbedürftig und man läuft (vor allem draußen, wo der Boden uneben ist) ein bisschen „wie auf rohen Eiern“, aber die Füße gewöhnen sich doch relativ schnell daran…oder nicht? 🙂

      Das Buch werde ich mir mal ansehen, vielleicht lohnt es sich ja, ein paar Übungen daraus zu teilen 😉

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