Stress lass nach!

Wer hat etwas von dem ganzen Stress – oder auch nicht?

Alles und jeder wird optimiert oder optimiert sich selbst, man muss immer schneller und immer besser werden… Ich denke, die Beschleunigung und Optimierung der Gesellschaft kommt zu einem großen Teil den Unternehmen und Konzernen zugute. Die freuen sich fürchterlich über ihre Angestellten, die mit Hilfe von Technik sehr viel leisten können und das auch tun. Mit ein wenig Glück verschaffen sie ihnen so vielleicht sogar einen Wettbewerbsvorteil vor der Konkurrenz. Der Beste und der Schnellste gewinnt. Ich habe gelesen, dass ein normaler Arbeitnehmer heute so viel schafft, wie 4-5 vor ungefähr 50 Jahren. Damals wurde fast alles von Hand geschrieben, es gab kaum Maschinen. Natürlich dauerte alles länger. Heute geht alles total schnell, innerhalb kürzester Zeit werden verschiedenste Dinge nacheinander abgearbeitet und das auf verschiedensten Kommunikationskanälen, da muss der Kopf erstmal hinterherkommen. „In Ruhe Arbeiten“ gibt es kaum noch.

Außerdem ist jeder jederzeit erreichbar, das Firmenhandy klingelt auch noch abends um 10 oder teilweise noch später…und viele schauen nach, ob es vielleicht etwas wichtiges war. Damit ist die Erholung im Feierabend gegessen. Morgens geht der erste Blick auf’s Smartphone, die Arbeit beginnt schon bevor man überhaupt das Haus verlassen hat. Irgendwo angerechnet werden diese Zeiten oft nicht, dann ist das Mails-Checken quasi ein Hobby, weil Freizeit. So richtig abzuschalten haben viele verlernt….und die Unternehmen freuen sich über ihre fleißigen Bienchen, denn sie verdienen ja daran.

Selbst schuld?

Die Geiz-ist-geil-Mentalität bestärkt die Unternehmen noch in ihrem Beschleunigungs- und Optimierungswahn. Kaum jemand möchte viel Geld für ein handgemachtes, qualitativ hochwertiges Produkt zahlen, wenn er es genausogut viel billiger irgendwo anders bekommt. Gebrauchte Dinge haben heute keinen Wert mehr, kaum etwas wird noch repariert (denn neu kaufen ist ja oft billiger) und gar etwas gebrauchtes von jemand anderem kaufen kommt in vielen Fällen so überhaupt nicht in Frage! Die Unternehmen versuchen also immer billiger zu produzieren…

Haben sie wirklich was davon?

Beschleunigung und Optimierung – zusammen mit der Globalisierung – ermöglichen es ja auch tatsächlich immer billiger zu produzieren. Und zumindest vermeintlich profitieren die Unternehmen auch von der Selbstausbeute ihrer Mitarbeiter. Letztlich zeigen aber die Gesundheitsreports der DAK Gesundheit (mehr dazu hier)  sehr deutlich, dass Stress den Menschen einfach nicht gut tut und immer mehr Leute mit psychischen Problemen kämpfen. Und langfristig könnte die steigende Zahl der entsprechenden Krankschreibungen dann auch für die Unternehmen ein immer bedrohlicheres Problem darstellen…

Was willst du überhaupt?

Ich glaube viele merken, dass es so einfach nicht mehr lange weitergehen kann. Das Wertegerüst wackelt und ich habe den Eindruck, dass wir so langsam an einem Punkt angekommen sind, an dem die breite Masse der Gesellschaft zu einem Umdenken kommt. Muss man echt perfekt sein, um glücklich sein zu dürfen? Brauche ich „mein Haus, mein Auto, mein Boot“ wirklich? Was brauche ICH tatsächlich, um glücklich zu sein?

Für mich war eine Überprüfung meiner Glaubenssätze Gold wert. Glaubenssätze sind Gedanken und Überzeugungen, die wir entweder im Laufe unseres Lebens mitgeteilt bekamen oder aber durch Abgucken von anderen übernommen haben.  Am meisten lernen wir  – wen überrascht es? – durch Abschauen. Sieht man viele Filme, oder stöbert häufig in den sozialen Medien herum, prägt das dort oft verzerrt dargestellte Bild der Realität die eigenen Werte. Da gibt es dann auch die erfolgreiche supermodel Business-Powerfrau mit ihrer perfekten Familie, die ganz nebenbei den perfekten Haushalt schmeißt, die interessantesten Hobbies pflegt, die Welt bereist, sich sozial engagiert…. ahja, und Wagen, Hund und Häuschen in der Vorstadt nicht vergessen!

Ich habe mich also gefragt, ob ich wirklich alles so machen MUSS wie ich immer dachte…und ich hatte extrem hohe Erwartungen an mich selbst, die ich gerne auch auf mein Umfeld übertragen habe (das das dann meist irgendwie nicht so toll fand). 😉

„Aber was sollen denn die Leute denken?“

Ich habe mich ganz bewusst von „Was sollen denn die Leute denken?“ abgewandt und mir überlegt, was für mich persönlich wirklich wichtig ist. Jetzt lebe ich nach meinen eigenen Prioritäten und tue genau das, was ich selbst für richtig und wichtig halte. Was „die Leute“ denken ist mir mittlerweile relativ egal, denn eigentlich ist es so, dass die meisten Leute ja ohnehin schon genug mit sich selbst zu tun haben. Sie sind im Stress mit ihren eigenen Dingen und dass du heute im Supermarkt mal nicht perfekt gestyled warst, haben sie sowieso schon wieder vergessen. Davon mal ganz abgesehen finden böse Zungen auch an perfekten Dingen etwas zu meckern (und wenn es einfach nur „zu perfekt“ ist)  und andere wiederum verurteilen niemanden wegen ein paar Kleinigkeiten…und das sind ja schließlich die Leute, auf die es ankommt! <3

Ein Beispiel von vielen: Meine Wohnung MUSS nicht immer picobello aufgeräumt und geputzt sein, nur weil das bei meiner Mutter immer so war. Wenn ich mit anderen Dingen beschäftigt bin, dann darf auch einfach mal was liegen bleiben.  Und das ist nicht einmal schlimm, wenn Besuch kommt. Wer mich besucht, möchte ja schließlich mich sehen und keine blitzblanke Musterhauswohnung…das hätte es vor ein paar Jahren noch nicht gegeben. Da wurde ganz brav für jeden einzelnen Menschen, der die Wohnung betrat, aufgeräumt.

Ich wette, der ein oder andere schmunzelt jetzt in sich hinein und fühlt sich ertappt, weil auch er ständig für den Besuch aufräumt und eigentlich auch in einer ganz normalen Wohnung lebt, der man auch mal ansieht, dass in ihr gelebt wird. 🙂

Vom MÜSSEN und WOLLEN…

Auch wenn ich das eigentlich eher unbewusst umgesetzt hatte, hatte ich mich mit dem Überdenken meiner Glaubenssätze von sehr viel Druck befreit. Das passt sehr gut zu Reginas Hinweis bei meinem Blogpost Ich lass mir meine schlechte Laune (nicht) verderben! (danke Regina 😉 ), denn auch hier geht es darum, Druck zu reduzieren.

Ein kluger Mann hat einmal gesagt: Wenn man die Wörter MUSS und ABER aus seinem Wortschatz verbannen würde, wäre das der richtige Weg, um glücklicher zu werden – hm, auch dies wäre einen Versuch wert.

In den letzten Wochen habe ich das einmal ganz bewusst aufprobiert. Es macht wirklich einen großen Unterschied, ob man etwas WILL oder MUSS! „Muss“ ist ein Wörtchen, das man am besten schnellstmöglich aus seinem Wortschatz streichen sollte. Wenn man in seinem Leben hauptsächlich Dinge tun MUSS, dann MUSS man daran etwas ändern 😛

Oftmals will man ja sogar die Dinge, von denen man behauptet, dass man sie muss. Schauen wir uns mal ein ganz einfaches Beispiel an. Aus einem „Ich muss noch die Küche aufräumen.“ kann schnell ein „Ich WILL noch die Küche aufräumen, damit ich heute Abend gleich mit dem Kochen loslegen kann.“ werden. Alles was wir tun oder lassen hat seine Konsequenzen. Ich MUSS strenggenommen gar nicht arbeiten, eigentlich WILL ich es, denn ich möchte mir verschiedenes leisten können. Ich MUSS die Wäsche nicht waschen, ich MÖCHTE es aber, um keine wandelnde Stinkwolke zu werden…

Um negative Konsequenzen zu vermeiden oder etwas tolles zu erreichen, MÖCHTE man eigentlich relativ viel.  Allein durch die veränderte Wortwahl haben wir uns hier aber selbst *aktiv* dafür oder dagegen entschieden, es wurde uns kein Zwang auferlegt durch den wir etwas fremdbestimmt erledigen „müssen“. Genauso räume ich meine Wohnung gerne auf, wenn ich Zeit dafür habe – denn ich mag es sauber und aufgeräumt. Da ich es aber nicht mehr MUSS, verliert diese Aufgabe enorm viel Druck und wenn ich es mal nicht mache, ist das auch nicht schlimm 🙂

Stress lass nach…

Natürlich kann es immer wieder Phasen geben, in denen viel los ist und es gibt diverse Techniken zum Abbau von akutem Stress. Du kannst einfach mal danach im Internet suchen oder abwarten, bis sie demnächst hier im Blog ihr Plätzchen finden.

Wenn man aber

  • an seiner inneren Einstellung arbeitet und sich bewusst macht,  wie viel man von dem was man MUSS tatsächlich eigentlich möchte,
  • eigene Prioritäten setzt und
  • „Fünfe auch mal grade“ sein lässt (vor allem dann, wenn man es eh nicht ändern kann)

kann man seinen Stresslevel insgesamt schon drastisch reduzieren…und darüber, wie viel schon eine positive Einstellung bringen kann, haben wir uns ja erst letztens (hier) unterhalten 🙂

Wenn das alles nicht hilft, ist es übrigens auch keine Schande, sich professionelle Hilfe zu holen…denn dafür ist sie ja da 😉


Ich hoffe, der Beitrag wird seinen Teil dazu beitragen auch dein Leben ein wenig entspannter zu machen!

Was sind deine Erfahrungen zu dem Thema? Hast du vielleicht sogar ein paar schöne Tipps für uns alle? 🙂

Dir hat der Artikel gefallen? Dann sei doch so nett und teile ihn 😉



Foto & Bearbeitung: Trash-Art by Dionisio Martena


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3 thoughts on “Stress lass nach!

  1. Hallo liebe Sandra,

    ich habe auch das Gefühl bzw. hoffe es sogar, dass zurzeit ein Umdenken statt findet. Ich selbst habe einige Zeit damit verbracht, gründlich zu überlegen, was mich denn wirklich glücklich macht. Es hilft mir selbst zum Beispiel bereits, anstelle des Telefons, ein gutes Buch in der Hand zu haben oder mich auch mal eine Stunde lang zu langweilen. Alles was die Seele vom hektischen Alltag ablenkt sozusagen 😉
    Ein anderes Phänomen tritt ja auch immer deutlicher auf: das Bienensterben. – was ja auch unmittelbar mit der Globalisierung zusammenhängt. Mehr als auf sich selbst zu achten kann man aber zurzeit wohl (noch) nicht tun.
    Lg
    Manu

    • Hallo lieber Manu,

      sehr schön, dass du da ein ähnliches Gefühl hast! Ich hoffe auch sehr, dass dieses Umdenken bald die große Masse erreicht und das Wertesystem der Gesellschaft umstrukturiert wird (wir haben ja inzwischen festgestellt, dass das alte uns dauerhaft kaputt macht). Langweilen ist ein guter Tip, das macht man ja heute kaum noch. Vermutlich haben die meisten sich zuletzt als Kinder so richtig gelangweilt, Erwachsene sind ja meist dauerbeschäftigt!

      Ich sehe es auch so, dass wir immer mehr problematische Konsequenzen aus dem Leben der Moderne erkennen – gerade das Insektensterben ist ja ein hoch aktuelles Thema! Allerdings versuche ich hier nicht zu resignieren…ich achte auf mich und versuche zumindest im Kleinen auch einen Beitrag zur Lösung der großen Probleme zu leisten (mir liegen hier besonders Umwelt- und Tierschutz am Herzen). Wie man so schön sagt „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern“. 🙂

      LG,
      Sabrina

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