Wer hat Angst vor Katzengras?

Katzengras

Nach fast drei Wochen komme ich jetzt endlich wieder zum Schreiben und kann mich mal wieder meinem geliebten Blog widmen! Es sollte aber zwischenzeitlich scheinbar einfach nicht sein… 🙁

Was war da los?

Zunächst einmal bekamen wir unerwartet unerwünschten Besuch, der mich eine gute Woche auf Trab gehalten hat. Ich habe gewaschen, geputzt, geräumt, weggeworfen…meine Finger sahen aus wie die einer alten Oma und dank der vielen Chemie konnte man sogar sehen, wie die Haut immer dünner wurde. Gar nicht schön!

Auslöser war – man mag es kaum glauben – ein kleines Töpfchen Katzengras. Ich hätte nie damit gerechnet, aber plötzlich lag um das Töpfchen herum lauter „Blütenstaub“. Bei näherer Betrachtung sah ich dann aber, dass sich der Blütenstaub bewegte. Ohnein! Ein vergrößertes Handyfoto zeigte kleine (ca. 0,5 mm) Tierchen mit 6 Beinen. Ok, das war seltsam, aber erst mal nicht weiter tragisch. Ich habe die Tierchen aufgesaugt und fand dabei immer mehr davon. Sie hatten sich im kompletten Zimmer verteilt – das war dann schon gar nicht mehr witzig! Vor allem, da wir hier nicht von Flur oder Keller sprechen – nein, das Ganze fand natürlich im Schlafzimmer statt… Google half nicht wirklich und die Facebookgruppe, die ich in meiner Verzweiflung gefragt hatte, brachte mehr Panik als Hilfe. Von Zecken über Wanzen bis zu „Kannmannichtsagen“ war alles dabei.

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Wie geht man damit um?

Damit war dann meine Ruhe dahin. Also Pflanze in eine Plastiktüte (und die gut verschnürt) und ab in den *Tierbedarfladen*, wo ich sie gekauft hatte. Die Leute vor Ort waren echt total nett, konnten mir aber leider weder sagen um welche Tiere es sich handelte noch wie ich sie wieder loswerden könnte. Ein paar Telefonate später hieß es dann ich sollte bitte die Fotos per Mail schicken (was an Ort und Stelle geschah) und „Der Chef meldet sich morgen“.

Jaaaa…bis morgen kann das nur leider nicht warten! Der nächste Schritt war ein Date mit dem Tierarzt. Leider war auch da eine eindeutige Identifikation der kleinen Tierchen nicht so ganz möglich. Ich liebe Tiere ja wirklich über alles, aber kleine Krabbler im Schlafzimmer, die sich auch noch in der ganze Wohnung verbreiten mag ich dann irgendwie doch nicht so gerne! Und ich kann euch sagen, das ist ein richtig ätzendes Gefühl! Selbst direkt nach einer heißen Dusche fühlte es sich an als würde es überall am Körper krabbeln… 🙁

Die einzig verbleibende Möglichkeit, um ein Risiko für uns und die Tiere auszuschließen,  waren leider Chemiebomben vom Tierarzt. Die haben wir dann auch losgelassen, wobei wir samt Tieren außerhalb der Wohnung übernachten mussten. Am nächsten Tag ging es dann mit der Extremputzaktion los und ab da ging eine gute Woche lang jede verfügbare Minute dafür drauf, die Wohnung wieder für uns und vor allem die Tiere wieder normal bewohnbar zu machen. Es war einfach nur fürchterlich – zumal ich im Normalfall auf so viel Chemie wie möglich verzichte (ich stelle ja sogar inzwischen meine eigene Seife her). Alles musste abgewaschen und alle Textilien gewaschen werden.

Was sagen die Problemverursacher?

Nach zwei Tagen hatte sich übrigens auch der „Chef“ gemeldet und mir versprochen, sich um die Problematik zu kümmern. Er hatte auch schon den Katzengras-Lieferanten kontaktiert und meine Mail an ihn weitergeleitet. Dieser hatte ihm mitgeteilt, dass es sich bei den Tierchen um „irgendwelche Läuse“ handeln würde, die aber nicht von dem Katzengras kommen könnten.  Aha!

Ich habe dem *Chef* dann mal erklärt, dass es sich sehr wohl um ein Problem dank Katzengras handelte. Die Tierchen waren Weizenläuse, also eine Art Blattläuse. Der Hersteller beschreibt auf seiner Homepage sogar, dass besagtes Katzengras aus ganz jungen Weizentrieben besteht…ein Schelm, wer einen Zusammenhang zwischen Weizenläusen und Weizentrieben vermutet 😉  Außerdem findet man im Internet diverse Anleitungen zur Zucht dieser Läuse (unter anderem mit Hilfe von Katzengras), die dann an Froschbabies verfüttert werden sollen. Das alles habe ich dem Chef dann in einer Mail verpackt noch einmal mit allen Quellen und einer Makroaufnahme zugeschickt.

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 Dann kam die Mail vom Lieferanten…ganze 6 Tage nach dem Vorfall

Sehr geehrte Frau Garre,

der Besitzer des *Tierbedarfladen*, hat uns darüber informiert, dass Sie einen Befall von Läusen an Ihrem Softgras von der *Lieferant* haben. Wir freuen uns, dass Sie so aufmerksam waren und uns dies sofort weiter geleitet haben.

Für Sie, Ihr Haustier und Ihre Umgebung besteht keinerlei Gefahr. Eine Blattlaus ist ein reiner Pflanzenschädling und ernährt sich ausschließlich von pflanzlichem Zellsaft. Bitte entsorgen Sie die betroffene Futterpflanze einfach in Ihrem Hausmüll.  Weitere Maßnahmen sind nicht notwendig.

Woher die Läuse auf Ihrer Futterpflanze gekommen sind, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Momentan liegt bei uns im Betrieb kein Schädlingsbefall vor. Wahrscheinlich ist der Befall saisonal bedingt. Da wir im Moment auf den Herbst zu gehen, suchen sich viele Schädlinge einen neuen Wirtspflanze, welche am besten über den Winter warm steht. Deshalb bilden Blattläuse gerade um diese Jahreszeit Flügel aus, um sich eine neue Pflanze zu suchen.

Natürlich ist es ärgerlich, wenn man eine gekaufte Pflanze entsorgen muss.

In Absprache mit Herrn *Chef* können Sie sich gerne eine kostenlose Ersatzpflanze in der *Tierbedarfladen* Filiale abholen.

Mit grünen Grüßen

Ich habe also eine Woche lang geputzt, hatte 70 Euro Tierarztkosten, dazu Unkosten für heißlaufende Waschmaschine und Trockner, keine freie Minute mehr für mich und das bringen wir jetzt wieder in Ordnung, indem wir eine Pflanze für 2,99 Euro verschenken, die im Leben niemals wieder in meine Wohnung kommen wird?

Ich habe der netten Dame per Mail deutlich gemacht, dass ich mich von ihr ziemlich auf den Arm genommen fühlte. Außerdem habe ich sie gefragt, ob das ihr Ernst war. Lebt sie wirklich fast eine komplette Woche mit Ungeziefer in der Wohnung ohne etwas dagegen zu unternehmen und wartet darauf, dass sich der Lieferant mit einer solchen Lösung bei ihr meldet?

Der Händler hat das Problem dann aber doch noch gelöst

Da der *Tierbedarfladen* die Mails in Kopie erhalten hat, rief mich am nächsten Tag noch einmal der *Chef* an und entschuldigte sich für die Mail des Lieferanten. Letztlich hat er mir die Kosten für den Tierarzt erstattet und noch ein bisschen was für die zusätzlich entstandenen Kosten und den ganzen Aufwand draufgelegt. Damit konnten wir uns dann letzten Endes auch vernünftig einigen. Sollte *Chef* das hier lesen: An dieser Stelle noch einmal „Danke, dass wir das vernünftig klären konnten!“ 🙂

Gibt es etwas Positives an der Sache?

Ich versuche immer an allem das Positive zu sehen. Manchmal ist das ganz einfach, manchmal eher nicht. Anfangs habe ich mich auch wirklich schwer damit getan, an Läusen und Chemie in meiner Wohnung etwas Positives zu finden! Außerdem hat mir der ganze Aufwand meinen kompletten Zeitplan durcheinander gebracht, da in der Zeit eigentlich komplett alles andere liegen geblieben war. Glücklicher Weise habe ich jetzt so langsam alles wieder im Griff 😉

 Aaaaber es ist mir gelungen auch hieran etwas Positives zu finden – sonst wäre ich auch vermutlich verzweifelt

Schon vor langer Zeit habe ich festgestellt, dass wir eigentlich viel zu viele Dinge in unserer Wohnung angesammelt haben. Eigentlich wissen wir nicht einmal, was wir alles haben und teilweise kaufen wir Sachen doppelt, weil uns nicht bewusst ist, dass wir es schon haben. Das sind dann Dinge, die wir ganz besonders brauchen, kaufen, weglegen und niemals benutzen 😛 Daher habe ich schon lange geplant, unsere Besitztümer zu reduzieren und dieser Vorfall war eine prima Gelegenheit dazu.

Ein erster Schritt zu einem minimalistischen Leben

Viele Dinge wurden bereits aussortiert und sind entweder in den Müll gewandert oder sie waren noch in einem guten Zustand, sodass sie Bedürftigen zu Gute kamen. Die Wohnung ist mittlerweile wieder sauber – vermutlich sauberer als je zuvor 😀 Trotzdem hat die riesige Putzaktion den Stein ins Rollen gebracht und es wird in der nächsten Zeit noch sehr viel mehr aussortiert. Auf lange Sicht würde ich gerne minimalistischer leben und dazu gehört, sich von unnötigem Ballast und materiellem Überfluss zu befreien. Ich habe gelesen, dass jeder Mensch in Europa durchschnittlich 10.000 Dinge besitzt, von denen er aber nur einen Bruchteil wirklich benutzt. Das ist doch irgendwie erschreckend, oder?

Ich möchte mich mehr auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben konzentrieren und das sind sicher nicht leblose Gegenstände! Und ganz ehrlich, davon können wir nichts mitnehmen, wenn der große Tag des Abschieds gekommen ist. Dann habe ich mein Geld und meine Energie doch viel lieber in tolle Erlebnisse und liebe Menschen und Tiere investiert. Das Leben ist zum Leben da!

Daher werdet ihr in Zukunft sicher noch öfter von meinem „Minimalismus-Projekt“ hören. 😉


Foto & Bearbeitung: Trash-Art by Dionisio Martena



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