Hunger ist das Dienstmädchen des Genies

Hunger ist das Dienstmädchen des Genies

Immer wieder bekomme ich in meinem Umfeld mit, dass gerade etwas kräftigere Leute sehr wenig essen. Andere nutzen FdH (Friss die Hälfte) oder die berühmt-berüchtigte Nulldiät, um abzunehmen und hungern still vor sich hin. Im ersten Moment klingt das ja auch schlüssig: ich esse weniger, dann nehme ich automatisch ab. Doch leider stimmt das nur bedingt…

Was ist Hunger überhaupt?

Hunger ist ein absolut wichtiges Kommunikationsmittel unseres Körpers. Schon in Beitrag „Du bist, was du isst“ haben wir festgestellt, dass der Körper Nährstoffe als Bausubstanz für das Erschaffen neuer Zellen und Strukturen benötigt. Da sich der Körper permanent erneuert, braucht er immer wieder neues Baumaterial. Zudem kosten alle Aktivitäten Energie und auch die erhält er über die Nahrung. Hunger ist also das Signal deines Körpers, dass ihm Nährstoffe oder Energie fehlen und du ihn doch bitte wieder damit versorgen möchtest.

Nur so bleibt er leistungsfähig – nicht umsonst sagte Mark Twain bereits „Hunger ist das Dienstmädchen des Genies“ 😉

A propos Energieverbrauch…

Wenn ich davon schreibe, dass alle Aktivitäten Energie kosten, meine ich damit nicht nur die bewusst ausgeführten Aktivitäten wie beispielsweise Sport oder Hausarbeit. Unser gesamter Energieverbrauch (Gesamtumsatz) besteht aus zwei Komponenten:

Grundumsatz

Unter dem Begriff „Grundumsatz“ versteht man die Energie, die der Körper zum Funktionieren benötigt. Selbst im Schlaf, wenn wir quasi nichts tun, verbrennen wir Energie für Herzschlag, Atmung, Blutdruck, Gehirnaktivitäten etc.. Der Grundumsatz pro Tag ist also die Menge an Energie (gemessen in Kalorien), die wir benötigen, wenn wir uns überhaupt nicht aktiv bewegen.

Eine kleine Motivation für Sport: Je größer Muskeln sind, umso mehr Kalorien verbrauchen sie auch im Ruhezustand. Muskelaufbau erhöht also den Grundumsatz 🙂

Leistungsumsatz

Bei dem Leistungsumsatz kommt die Bewegung mit ins Spiel. Hierzu zählen alle Aktivitäten des Bewegungsapparates wie Umherlaufen, Sport, Tippen auf der Tastatur und so weiter. Jede einzige Bewegung kostet den Körper Energie. Und so wie ein Motor Benzin verbrennt, verbrennt der Körper die Energie aus der Nahrung.

Die gute Nachricht: Wenn man gerne mehr Kalorien zu sich nehmen möchte, kann man den Leistungsumsatz durch sportliche Betätigung erhöhen. Das war übrigens gaaanz zu Anfang meine größte Motivation…Schwitzen für mehr Essen 😀

Grundumsatz + Leistungsumsatz = Gesamtumsatz

Als Summe von Grundumsatz und Leistungsumsatz erhalten wir also den Gesamtumsatz. Das ist die Menge an Kalorien, die unser Körper am Tag insgesamt verbraucht. Geben wir ihm mehr als er benötigt, freut er sich und lagert Reserven für schlechte Zeiten an. Möchte man abnehmen, kann man die Energiezufuhr leicht (!) reduzieren (mit ganz großem Ausrufezeichen hinter dem „leicht“!). Viele Diäten arbeiten nach dem Motto „viel bringt viel“ und verlangen ein großes Kaloriendefizit. Das ist auf Dauer sehr ungesund und teilweise sogar sehr schädlich!

Kurz noch ein paar Worte zum Sport: Wir halten an dieser Stelle mal fest, dass regelmäßiger Sport zum einen den Grundumsatz durch Muskelaufbau und zum anderen den Leistungsumsatz durch Bewegung erhöht. Man dreht mit Hilfe von sportlicher Betätigung gleich an zwei Schräubchen , die den Gesamtverbrauch erhöhen. Wer nicht abnehmen möchte, freut sich über die zusätzlichen Kalorien, die er damit problemlos essen darf ohne seine Figur zu riskieren.
Wer abnehmen möchte, muss oft schon gar nicht weniger essen als sonst – das durch Sport entstehende Defizit von Kalorienzufuhr und verbrannten Kalorien ist groß genug. Wird dieses Defizit zu groß, führt das zu Hunger  😉

Was passiert, wenn man den Hunger dauerhaft ignoriert?

Bei Hunger fehlen dem Körper Nährstoffe und Energie, die „Bitte Tanken-Leuchte“ geht an. Hält der Zustand nur für kurze Zeit an, nimmt man erst einmal ab. Wird der Hunger weiterhin ignoriert, bekommt man irgendwann Heisshunger-Attacken. Das ist schon nicht  mehr nur ein dezentes Signal des Körpers, nein, er „schreit“ förmlich nach Nahrung. Vermutlich hat keiner von euch schon einmal Heisshunger auf einen Salat oder Apfel gehabt, oder? Meist greift man in dem Zustand doch eher nach schnell verfügbaren hohen Kalorienmengen in Form von Pizza, Kuchen oder ähnlichem, um die Speicher schnell wieder aufzufüllen.

Widersteht man dem Heisshunger und isst weiterhin zu wenig, stellt sich der Körper nach einiger Zeit auf die reduzierte Energiemenge ein, um das weitere Überleben in der aktuellen „Hungersnot“ zu sichern.

[Anmerkung: Wir reden hier nicht von vernünftig durchgeführem Fasten, sondern von Diäten und Unterernährung – also bitte keine Fastendiskussion lostreten :* ]

Wie reagiert der Körper?

Der Stoffwechsel wird auf Sparflamme gesetzt und ein Notprogramm gestartet. Der Grundumsatz wird gesenkt, indem sich beispielsweise Herzschlag und Atmung verlangsamen und die Körpertemperatur leicht gesenkt wird. Darüber hinaus nutzt der Körper weitere Maßnahmen, um so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Dazu gehört unter anderem der Abbau von Muskelmasse. Das hat aus Sicht des Körpers zwei Vorteile: je kleiner die Muskeln sind, desto weniger Energie verbrauchen sie im Ruhezustand. Außerdem hat der Mensch weniger Kraft und verschwendet keine Energie durch unnötig viel Bewegung. Zur Kraftlosigkeit kommen oft weitere Symptome wie beispielsweise Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen, Depressionen, Schwindel oder Ohnmachtsanfälle.

Das heißt, die Zahl auf der Waage ändert sich und man nimmt ab, nur halt kein Fett. 😉

Der Jojo-Effekt

Das Fett bleibt, die Muskeln verschwinden und sobald die „Hungersnot“ vorbei ist, lagert der Körper *verständlicherweise* so viele Reserven wie möglich für den nächsten Notfall an. Das ist dann der allseits bekannte „Jojo-Effekt“, der oft nach Diäten eintritt. Der Grundumsatz ist durch den Abbau von Muskelmasse dauerhaft niedriger, bis die Muskulatur mühsam wieder bis auf das Niveau vor der Hungersnot aufgebaut wurde. Der Körper braucht also nach der Diät weniger Kalorien als zuvor. Wer abnehmen wollte, hat mehr oder weniger das Gegenteil erreicht. Wer gar nicht erst abnehmen wollte, hat sich sogar grundlos geschädigt.

Also ist Hunger eigentlich eine feine Sache!

Nahrungsaufnahme ist überlebenswichtig und Hunger ein wichtiges Signal unseres Körpers, das wir schätzen lernen und auf das wir hören sollten. Statt die Nahrungsmenge an sich zu reduzieren, ist es wichtig auf die Qualität zu achten. Wenn wir ehrlich sind, wissen wir doch eigentlich alle wie gesunde Ernährung funktioniert. Oder? 😉

Reagieren wir auf unseren Hunger und laden unsere Akkus immer rechtzeitig mit hochwertiger Energie auf, sind wir den ganzen Tag über leistungsfähig! Kombinieren wir das mit regelmäßiger Bewegung, müssen wir uns im Normalfall auch keine Gedanken über unser Gewicht machen.

Bei Alltagsgegenständen wie Auto oder Handy achten wir ja auch darauf, nicht ohne genügend Energie unterwegs zu sein und wählen dafür möglichst die richtige Energiequelle. Warum also nicht auch bei unserem wertvollsten Besitz, unserem Körper? 🙂


Foto & Bearbeitung: Trash-Art by Dionisio Martena


 

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